Geschrei

Das kleine Kind schreit.
Die jungen Eltern sind ratlos. Was fühlst du? Was ist? Was können wir noch tun?
Gott, der Vater, die Mutter, wurde Kind, und fand es heraus.

… nur für den Fall, dass du vermutest, Gott wüßte nicht….




Gestaunt: „Doch! Ich habe die Wahl“

ichHabeDieWahl„Ich habe die Wahl!“
Der Film ⇒Von Menschen und Göttern beschreibt am Beispiel der Trappisten-Mönche von Tibhirine das Ringen um „DU-Orientierung“ und Feindesliebe.

Das ⇒Testament von Christian de Chergé ist ein „must-read“.

Wenn es mir eines Tages geschehen sollte – und das könnte heute schon sein – ein Opfer des Terrorismus zu werden, der sich nun auch gegen alle Fremden in Algerien zu richten scheint, so möchte ich, daß meine Gemeinschaft, meine Kirche, meine Familie sich daran erinnern, daß mein Leben Gott und diesem Land geschenkt wurde…




Gelesen: Wie man wirklich Mensch wird

„Was ist WIRKLICH?“, fragte eines Tages der kleine Kuschelhase, …  „Bedeutet es, Dinge in sich zu haben, die summen, und die man aufziehen kann?“

„Wirklich ist nicht, woraus du gemacht bist … Es ist eine Sache, die dir einfach passiert. Wenn dich ein Kind eine lange, lange Zeit liebt, nicht nur mit dir spielen mag, sondern dich WIRKLICH liebt, dann wirst du wirklich.“

„Tut das weh?“, fragte der Hase.

„Manchmal“, sagte das Pferdchen, denn es war stets aufrichtig. „Wenn du erst wirklich bist, macht es dir nichts mehr aus, verletzt zu werden.“

 

Das Kinderbuch: „Der kleine Kuschelhase oder Wie die Dinge wirklich werden“ von Margery Williams aus dem Jahre 1922 ist schon seit langem vergriffen. Das hat es wirklich nicht verdient!

„Wie wird man wirklich?“ fragt der Stoffhase.

„Wie wird man wirklich Mensch?“ Die Antwort ist die gleiche…

Die englische Fassung kann man online lesen oder in verschiedenen Formaten „downloaden“ 

Hier ein kleiner Ausschnitt in Deutsch:

Das Holzpferd lebte länger in dem Kinderzimmer als irgendjemand sonst. Es war so alt, dass sein brauner Stoffüberzug ganz abgeschabt war und eine ganze Reihe Löcher zeigte. Die meisten seiner Schwanzhaare hatte man herausgezogen, um Perlen auf sie aufzuziehen. Es war weise geworden, denn es hatte eine lange Reihe von mechanischem Spielzeug gesehen. Sie kamen, prahlten, nach und nach brachen die Triebfedern und sie verschwanden. Und es wusste, dass sie nur Spielzeug waren und sich niemals in irgendetwas anderes verwandeln würden. ..

„Was ist WIRKLICH?“, fragte eines Tages der kleine Kuschelhase, als sie Seite an Seite in der Nähe des Laufställchens lagen, noch bevor das Mädchen hereingekommen war, um aufzuräumen. „Bedeutet es, Dinge in sich zu haben, die summen, und die man aufziehen kann?“

„Wirklich ist nicht, woraus du gemacht bist … Es ist eine Sache, die dir einfach passiert. Wenn dich ein Kind eine lange, lange Zeit liebt, nicht nur mit dir spielen mag, sondern dich WIRKLICH liebt, dann wirst du wirklich.“

„Tut das weh?“, fragte der Hase.

„Manchmal“, sagte das Pferdchen, denn es war stets aufrichtig. „Wenn du erst wirklich bist, macht es dir nichts mehr aus, verletzt zu werden.“

„Passiert das alles auf einmal, das mit den Verwundungen“, fragte der Kuschelhase, „oder Stück für Stück?“ „Es passiert nicht alles auf einmal“, sprach das Pferdchen.

„Es dauert eine lange Zeit. Das ist auch der Grund, warum es nicht sehr oft zerbrechlichen Personen widerfährt, oder welchen mit scharfen Kanten, oder solchen, mit denen man sehr behutsam umgehen muss. Normalerweise, wenn es so weit ist, dass du wirklich wurdest, sind dir die meisten deiner Haare bereits ausgeschmust worden, und deine Augen fallen dir aus und du wirst schon ganz wacklig in den Gelenken und sehr schäbig. Aber all diese Dinge sind unwichtig, denn wenn du erst einmal wirklich bist, kannst du nicht mehr hässlich wirken, außer auf Menschen, die keine Ahnung haben.“   

Da sagte der Kuschelhase: „Ich glaube, du bist wirklich!“ Und dann wünschte er, er hätte das nicht gesagt- das Holzpferd könnte empfindlich sein. Aber das Holzpferd lächelte nur…




Gebraucht: Autorität

Max_und_Moritz_(Busch)Was ist Autorität? Wie entsteht sie? Diese Fragen sind wichtig. Denn Autorität wird gebraucht. Und wie bei allen Dingen, die wir so nötig brauchen, kann sie auch mißbraucht werden. … Der Gründer der Gemeinschaft von Taizé – Roger Schutz – erklärt das Autoritätskonzept der Gemeinschaft. Hier wird auch deutlich, wie Autorität entsteht und wie man sie pflegt.

Roger Schutz: Anerkennung einer Autorität




Gesehen: Schmetterlinge lachen lassen

Schmetterlinge lachen lassen. Das Leben in unserer westlichen Leistungsgesellschaft gleicht oft einem Zirkus. Jeder Mensch hat das natürliche Bedürfnis „gesehen“ und anerkannt zu werden. Doch was machst du, wenn du den Maßstäben nicht genügst? Und wer genügt schon? Der Kurzfilm „Butterfly Circus“ ist hinreißend schön. Story, Inszenierung und Musik ergänzen sich zu einer Botschaft der Hoffnung und einem unaufdringlichen Appell zur „DU-Orientierung“. Keiner hätte besser in diesen Film gepasst als Nick Vujicic, der mit diesem seinem Schauspiel-Debut doppelt unter Beweis stellt, wie falsch menschliche Grenzziehungen oft sind. Ich freue mich, dass dieser Film nun in einer deutschen Synchronfassung vorliegt. Hier eine Fassung mit deutschen Untertiteln (2-teilig):

(⇒Und hier geht es zum 2. Teil) Auch ein Appell an mich und an dich. Können wir füreinander wie dieser Zirkusdirektor sein? Das wäre göttlich…

S.

P.S.: Wer Schmetterlinge lachen hört… … nimmt den Kampf gelassen auf. Diesen Song von der Deutschrockband Novalis habe ich früher oft gehört. (Der Stil ist dem deutschen Frühromatiker Novalis nachempfunden. Und das ist interessant: Novalis machte aus dem „ICH – NICHT-ICH“-Gegensatz Fichtes ein „ICH – DU“. More to come…)




Adam 1 vs Adam 2

Gespalten? Wofür leben?

Wer bin ich? Manche Leute stellen sich diese Frage.  Manche tun eine ganze Menge – und verdrängen diese Frage – mehr oder weniger unbewußt.

Der Kommunikationsspezialist Friedemann Schulz von Thun redet vom „Inneren Team“ und verdeutlicht damit das, was so mancher hin und wieder als innere Zerissenheit spürt. Der Publizist Richard David Precht bringt ähnliches mit dem Titel seines Buches Wer bin ich – und wenn ja wie viele? zum Ausdruck.

Wieder lohnt sich ein Blick in die Schöpfungsgeschichte der Bibel. Hier finden wir interessanter- weise zwei Berichte über die Erschaffung des Menschen. Und zwei unterschiedliche Charactere. In diesem kleinen Vortrag stellt David Brooks (deutsche Untertitel) die Gedanken von Rabbi Joseph Soloveitchik vor, der darauf hinwies, dass der Mensch zwei „Aufträge“ hat.

Adam 1 „macht sich die Welt untertan“ und „herrscht“ (Genesis 1,28). Adam 2 „bebaut und bewahrt“ den Garten (Genesis 2,15). Eine kleine Gegenüberstellung:

Adam 1 vs Adam 2

Meine Beobachtung: Man könnte von einem „Ich“-Auftrag und einem „Du“-Auftrag reden. Und wenn wir beide „Aufträge“ akzeptieren und leben, lösen sich so manche Konflikte. Dann wird Leben rund.

Hier nochmal die zitierte Quintessenz von Reinhold Niebuhr:

  • Nichts, was sich lohnt zu tun, können wir in unserem Leben vollenden. also muss die Hoffnung uns retten.
  • Nichts, was wahr ist, gut oder schön, ergibt schon heute vollständig Sinn; also muss der Glaube uns retten.
  • Nichts, was wir tun, sei es auch noch so tugendhaft, können wir alleine vollenden; also muss die Liebe uns retten.
  • Unser Handeln ist aus unserer Sicht immer tugendhafter als aus der Sicht von Freund oder Feind; also muss die endgültige Form der Liebe uns retten: die Vergebung.

S.

P.S.: Den Originalartikel von Joseph Soloveitchik gibt es als Buch und hier als (ein wenig fehlerhafter) Scan.




Gelesen: Radikale Gnade

Es gibt eine Kategorie von Büchern, in der ich immer wieder besonders wertvolle Exemplare finde. Die Kategorie heißt: „(Vielleicht) letzte Bücher von lebenserfahrenen weisen Menschen“. Hierzu zählen Bücher wie Paul Tournier: „Im Angesicht des Leidens“ oder Theodor Bovet: „Mensch sein“.

Seit kurzem gesellt sich ein neues Buch dazu: „Alles aus Gnade“. Dies ist die Lebensgeschichte Alles-aus-Gnadeeines „vom Leben Gezeichneten“, wie es die Übersetzerin (oder der Verlag?) deutsch-brav ausdrückt. Brennan Manning selbst ist da deutlich drastischer: Es ist die Autobiografie eines „Ragamuffin“, eines Taugenichts, eines Lumpenkerls. Ein letztes Mal will er, der Versager, „angekettet zwischen zwei Säulen“ versuchen, unser „Haus der Angst zum Einsturz bringen“. Es sind, wie er selbst schreibt, seine letzten Worte zu seinem großen Thema: Gnade. Und ich muss das hören. Gnadenlos ist Brennan Manning nur mit einem: mit der Schönfärberei. Oder nennen wir es beim Namen: Mit der Lüge, dem Selbstbetrug. In einer Welt der glitzernden Feigenblätter und intelligenten Schuldzuweisungen (hm – seit dem Paradies hat sich nicht wirklich viel geändert) ist seine ungeschminkte Offenheit fast schon Skandal. Für manche: „billige Gnade“. Ich glaube eher, dass aus dieser Einschätzung unser Stolz und unsere Scham sprechen. Darf mir die Botschaft Jesu heute noch ein Skandal sein? Sie war es immer. Darf Gnade heute noch ungerecht sein? Wie könnte sie anders?

Woran erkennt man denn ein Herz, das vertraut? fragt Brennan Manning. Und seine Antwort ist: „Einem Herz, das vertraut, wurde vergeben, und es vergibt deshalb anderen“.

Die Botschaft, die Brennan Manning so eindrücklich lebt, und die er in dieser seiner Biografie so authentisch zusammenfasst, ist wahre Christus-Ähnlichkeit: Radikale Gnade aus radikaler Ehrlichkeit wegen der radikalen Liebe Gottes. Und das braucht die Welt. Heute mehr denn je. Das brauche ich in meinem täglichen Umgang mit dem Ich und dem Du.
„Kannst du es zulassen, dass Gott dich so liebt wie du bist?“ Brennan Manning antwortet so: „Nein, aber ich versuche es.“
Ja, dem Buch merkt man an manchen Stellen an, dass hier ein vom Alkohol gezeichneter, alternder Mann spricht. Aber wie sollte es anders sein? „Was seid ihr hinausgegangen zu sehen?“ Möchtest du mehr Selbstbetrug? Dann lass die Finger von diesem Buch.

S.

P.S.: Hier meine zwei Lieblings-Videos (engl.) mit Brennan Manning auf youtube:




Gedanke! …also bin ich?

egoWir leben in einer Zeit, in der der Rationalismus angebetet wird:
„Ich denke – also bin ich“
Wir leben in einer Kultur, in der die Tat angebetet wird:
„Ich arbeite – also bin ich“
Wenn dann die Tat alleine nicht mehr reicht:
„Ihr bewundert mich – also bin ich“
Und wenn die Anerkennung nicht mehr ausreicht:
„Mein Wille geschieht – Also bin ich“
Wir ahnen wo das hinführt.

Bin ich? ….

Alternative? ….

Du liebst mich – also bin ich




Geschichte (,Kirchen-)

farmers-bread-388647_1920Die Kirchengeschichte ist oft kein wirklich erquickliches Thema. Es gibt Muster, die sich leider immer wieder wiederholen. Hier ein Versuch der Ursachenanalyse:

Brot – oder: Eine kleine Kirchengeschichte




noch Gebrauchbar?

bonhoefferpostkarten-es-gibt-aber-kaumZehn Jahre Auseinandersetzung mit dem totalen Bösen resümiert Dietrich Bonhoeffer in seiner Aufzeichnung „Nach zehn Jahren“. Ich halte diese Aufzeichnungen für sehr wertvoll. Nicht nur für die Auseinandersetzung mit totalitären Regimen. Sondern auch mit dem Bösen unserer Zeit.

Zunächst geht es um unsere Grundeinstellung gegenüber dem Bösen. Bonhoeffer war klar:

Etwas Neues ist im Entstehen. Es muss so sein, denn alle denkbaren Alternativen der Gegenwart sind unerträglich, lebenswidrig, sinnlos.

Er schreibt: „Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.“

In solchen Situationen helfen „gute“ menschliche Einstellungen nicht. Nur einer hält stand:
„Allein der, [] der dies alles zu opfern bereit ist, wenn er im Glauben und in alleiniger Bindung an Gott zu gehorsamer und verantwortlicher Tat gerufen ist, der Verantwortliche, dessen Leben nichts sein will als eine Antwort auf Gottes Frage und Ruf.“

Er schließt mit einer Anfrage an sich und seine Verbündeten: „Sind wir noch brauchbar?“. Denn zehn Jahre tägliche Konfrontation mit dem Bösen hinterlassen Spuren. Sie machen misstrauisch, vorsichtig, uneindeutig, mürbe und zynisch.

Und doch sieht Bonhoeffer nur einen Weg  um den Kampf gegen das Böse zu gewinnen: „Schlichtheit und Geradheit“. Er schreibt:
Nicht Genies, nicht Zyniker, nicht Menschenverächter, nicht raffinierte Taktiker, sondern schlichte, einfache, gerade Menschen werden wir brauchen.

Ich glaube, er hat Recht. Und auch das gilt nicht nur für den Kampf gegen das totalitäre Böse.

⇒Dietrich Bonhoeffer: Nach zehn Jahren

P.S.: Deswegen passt dieser Aufsatz auch nur in ein Buch zusammen mit den Briefen an Familie und Freunde aus der Haft: Widerstand und Ergebung. Denn dieser Dialog erhielt ihm die Kraft brauchbar zu bleiben. Auch und gerade über seinen Tod hinaus.