Jesus in Clouds by Sunset (By Donatas Dabravolskas (Own work) [CC BY-SA 4.09])

Gefragt: Jesus, wer bist du?

Jesus in Clouds by Sunset (By Donatas Dabravolskas (Own work) [CC BY-SA 4.09]

Jesus in Clouds by Sunset
By Donatas Dabravolskas (Own work) [CC BY-SA 4.0]

„Ein junger Mann, hartnäckig in seinem Engagement für das Leben.1 Der ihm am nächsten war, berichtet, dass er an seinem letzten Abend vom Mahl aufstand, sein Gewand ablegte und die Füße seiner Gefährten und Begleiter wusch – ein junger, strenger Mann, einsam vor seinem endgültigen Geschick.

Er hat das kleine Spiel um seine – seine! – Freundschaft gesehen. Er wusste, dass keiner der Gefährten einsah, warum er so handeln musste, wie er es tat. Er verstand, wie verängstigt sie sein würden und wie sie zweifeln würden. – Und einer von ihnen hatte ihn angezeigt und würde wohl bald der Polizei das Zeichen geben.

Er setzte auf eine Möglichkeit seines Wesens und seines Schicksals, die er erahnt hatte, als er aus der Wüste zurückkam. Wenn Gott etwas vorhatte mit ihm, würde er nicht versagen. Erst seit Kurzem glaubte er klarer zu sehen und hatte verstanden, dass der Weg der Möglichkeit der des Leidens sein könne. Wissend indessen, dass er ihm folgen müsse, zweifelnd, ob er ´derjenige, welcher` sei, war er sich klar, dass die Antwort nur gefunden werden konnte, wenn er dem Weg der Möglichkeit folgte. Das Ende konnte ein Tod ohne Bedeutung sein – über das hinaus, dass er das Ende der Möglichkeit war.

Der letzte Abend also. Ein strenger junger Mann:

Wisset ihr, was ich mit euch getan habe?
Jetzt sag ich es euch, ehe denn es geschieht. –
Einer unter euch wird mich verraten. –
Da ich hingehe, kannst du mir diesmal nicht folgen. –
Solltest du dein Leben für mich lassen? Wahrlich. –
Meinen Frieden gebe ich euch. –

Aber auf dass die Welt erkenne, dass ich den Vater liebe und also tue, wie der Vater geboten hat.

Steht auf und lasst uns von hinnen gehen.

Ist der Held in diesem ewigen, brutal einfachen Drama ´Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt`? Beherrscht vom Glauben an eine geahnte Möglichkeit – im Sinn Gottes, im Sinn eines Opfertiers, im Sinn des Erlösers. Ein junger Mann, streng in seiner Hingabe an das Leben, der den Weg seiner Möglichkeit ohne Selbstbedauern oder ein Bedürfnis nach Mitleid zu Ende geht in das selbstgewählte Schicksal, auch die Gemeinschaft opfernd, als die anderen nicht in eine neue Gemeinschaft folgen.
Auf seine Möglichkeit setzen -. Warum? Opferte er sich für andere doch um seiner selbst willen – in einer erhabenen Egozentrik? Oder verwirklicht er sich selbst um anderer willen?

Die Scheidelinie verläuft zwischen Unmensch2 und Mensch.

Ein neu Gebot gebe ich euch, dass ihr euch untereinander liebet.

Die innere Möglichkeit -. In gefährlichem Wechselspiel mit der äußeren. Der Weg der Möglichkeit führte zum Hosianna-Ruf des Einzugs, der andere Möglichkeiten zuließ, als die er wählte.“

Dies ist die Antwort, die sich Dag Hammarskjöld als ein Wegzeichen aus dem Jahr 1951 notierte.3

These: Eine ehrliche Beschäftigung mit Jesus ist immer auch eine ehrliche Begegnung mit sich selbst. Alles andere wird diesem Menschenfreund nicht gerecht. Alles andere ist Selbstbetrug. …

These 2: Einmal auf dem Weg der „Nachfolge Christi“ (Imitatio Christi) wird auch Christus einem ähnlich. Man erkennt, dass die eigenen Kämpfe Jesus nicht unbekannt waren. Genau dadurch wird er zu einem „großen Bruder“, zu einem, dem man nachfolgen kann, weil er den Weg schon beschritten hat und auf mitfühlende Erfahrung zurückgreifen kann.

These 3: Die Antwort, die man sich selbst auf diese Frage gibt, ist letztlich die Antwort auf die Frage nach dem eigenen Sein: „Wer bin ich?“ Die „Möglichkeiten“ „für das Leben“ „im Sinn Gottes“ zu wirken, nehmen mit wachsender Nähe zu Jesus zu. Und damit auch die Notwendigkeit und Gefahr zwischen „Unmensch und Mensch“, zwischen Fälschung und echter Nachfolge wählen zu müssen. Die „Hosianna-Rufe“ lassen andere Möglichkeiten attraktiv erscheinen. Buber’s „am Du zum Ich“ garantiert nicht, dass man das richtige „Ich“ wählt.

„Brutal einfache dramatische“ Wahrheit: Das Samenkorn stirbt in der Erde und bringt vielfaches Leben hervor. Kreativität ist immer auch Opfer (lat. creare: erschaffen, gebären). Nach dem „Hosianna“: „Wir wollen Jesus sehen“, die Antwort: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“(Joh 12,20ff).

<to be continued>

Blessings

S. (24.8.2017)




„If you eat your’e in“

„Wenn du ißt, bist du dabei!“.

Wie schafft man eine heile, integrierende Gesellschaft?

Mit Essen!

S.

P.S.:

-> Open Source




Verblassende Erinnerungen

Oder: Die Freiheit beginnt mit einem Abendessen.

1. Es wird Nacht. In den letzten Wochen herrschte große Aufregung. Ein Mann kam und stellte alles auf den Kopf. Du bist einfacher Arbeiter. Wie schon deine Eltern. Seit Generationen kennt ihr nichts anderes, als von Herren hin- und hergeschubst zu werden. Und Arbeit, Arbeit, Arbeit. Sehr wenig Freiheit. Und selbst mit dem bisschen Freiheit das du hast, kannst du inzwischen nicht mehr richtig umgehen. Denn du bist nicht nur einfacher ungelernter Steineschlepper. Eigentlich gibt es für euch schon lange keinen Unterschied mehr zu einem Sklaven.
Und da kommt Herr Mose. „Im Auftrag des Herrn unterwegs“. Im Auftrag des Gottes, dem dein Schicksal scheinbar viele Generationen lang total egal war. Du verstehst das alles nicht. Aber du siehst die Machtwirkungen Gottes durch Mose. Und morgen soll es nun endlich so weit sein. Der Auszug! Endlich Ägypten verlassen.
Du warst nie in deinem Leben so verwirrt wie im Moment. Zumindest hattest du bis vor kurzem noch Sicherheiten. Du wusstest, was der nächste Tag bringen würde. Was du essen, wo du schlafen würdest. Selbst die Repressalien waren in gewissen Maßen einschätzbar. Jetzt ist es zu Ende mit den Schlägen. Befreiung. Aber: Was wird der nächste Tag bringen? Was wird DIESE NACHT bringen?

2. Über Jahrhunderte haben deine Vorfahren die Erinnerung an dieses Ereignis gefeiert. Auch du warst schon dutzende Male dabei. Die Erinnerung an den Auszug aus der Sklaverei. Und irgendwann ist es dir aufgefallen. Deine Situation ist eigentlich gar nicht so anders: Du lebst solang du denken kannst unter der Fremdherrschaft der Römer. Jedes Jahr erinnerst du dich an Gottes Eingreifen. An die Befreiung deiner Vorfahren aus der Hand der Unterdrücker. Aber Gott scheint sich schon seit Generationen nicht mehr um dein Volk zu kümmern. Kein Mose. Kein versprochener Messias.
Dieses Fest soll die Hoffnung hochhalten. Die Gemeinschaft zusammen halten. Die Hoffnung auf den Mächtigeren. Auf den Befreier. Doch die letzten Jahre hast du dich durchaus dabei beobachtet wie das ganze Fest eigentlich nur noch Wiederholung ist. Nutzlose Routine?
Nein, natürlich nicht. Die Besinnung auf die Familie konnte schon gut tun. Und irgendwie hat es doch immer verbunden. Von den paar Familien-Streitigkeiten hinterher vor ein paar Jahren mal abgesehen…

3. Seit drei Jahren ziehst du nun mit diesem Jesus. Und du hast Wunder gesehen! Die Macht Gottes. Du bist dir sicher: Jesus ist der neue Moses. Er ist der Befreier. Der Messias. Triumphal bist du mit ihm in die Hauptstadt eingezogen. Und jetzt bist du hier und feierst mit ihm das Gedächtnismahl. Und alles in dir ist aufgeregt. Denn dieses Jahr ist es so weit. Die Befreiung steht vor der Tür. Und du bist dabei.
Aber auch du bist verwirrt. Was werden die nächsten Tage bringen? Und der Abend verläuft auch nicht unbedingt so, dass er verständlich ist. Jesus redet von Tod und Blut und Erinnerung.

4. Im Nachhinen verstehst du: Jesus hat dich, hat euch wirklich befreit. Er hat dich zu einem königliche Priester gemacht. Er hat dich in die Freiheit entlassen und dir Teilhabe an seinem Auftrag gegeben: „Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden“
Und immer wieder erinnerst du dich daran. Im Kreise deiner neuen Familie. Was für ein genialer, liebevoller Herr. Was für ein Auftrag. Und jeder Tag ist eine Herausforderung. Du brauchst förmlich täglich die Gemeinschaft mit Gott und den Geschwistern. Der Grad an Freiheit und Verantwortung sind doch ganz anders als vorher. Und da sind Gegner. Mächtig und ohne Skrupel. Verfolgung ist real. Der Tod droht. Kann aber nicht mehr als den Körper zerstören.

5. (this paragraph intentionally left blank)

Max_Klinger,_Der_Befreite

Max Klinger: Der Befreite

6. Du gehst zum Abendmahl. Viele dutzende Male hast du es schon genau so gefeiert. Und manchmal hast du dich dabei ertappt, wie du dich gefragt hast, was das mit deinem konkreten Leben zu tun hat. Die neue Woche liegt vor dir. Morgen schon wirst du wieder weitgehend fremdbestimmt durch Chef, Kinder, Lehrer, Eltern, Kunden, usw. Die Belastung zehrt an deinen Nerven. Der Unfriede macht dich fertig. Und gleich sendet dich der Pfarrer aus: Geh in Frieden…. In die Freiheit. In die Verantwortung. In die Wüste.

7. Wie gut, dass du die kommende Woche bei einem gemeinsamen Abendessen mit deinen Geschwistern und Gott besprechen konntest. Wie gut, dass ihr euch dabei an die letzte Begegnung Jesu mit seinen Jüngern damals erinnern konntet. Wie gut zu hören: Du bist Jesus wertvoll. Er würde alles für dich tun. Er hat alles für dich getan. So real, wie das Brot, dass ihr esst. Was für ein Vorbild. Er ist den Weg vorausgegangen. Und er hat einen Bund mit uns geschlossen. Er ist dabei. Und während ihr euer Glas erhebt, wird dir klar: Ja, auch du bist Bündnispartner.

8. Und er wird wieder kommen. Vielleicht bist du es ja. Vielleicht ist es deine Generation, die diese letzte Befreiung miterlebt.

⇒Apostelgeschichte 2,46