Gemeint, gut

Wir sind die Guten…

Doch lass uns zunächst durch den Herbstwald an der Rhön wandern. Wir kommen an eine kleine Holzbrücke. Zwei geschnitzte Hände die sich fassen, bilden das Geländer. Brücken verbinden. Das ist ihr Zweck. Brücken führen zusammen, vereinen was getrennt.

Diese kleine Brücke liegt auf dem ⇒Franziskusweg und führt durch Natur und die Gedanken des Sonnengesangs von Franz von Assisi. Die Brücke steht für die Strophe:

Gelobt seist Du, mein Herr, für jene, die verzeihen um Deiner Liebe willen und Krankheit ertragen und Not. Selig, die ausharren in Frieden, denn Du, Höchster, wirst Sie einst krönen.

Ja, das war das Thema von Giovanni Bernadone: Der Frieden. Errungen durch Liebe, durch Ertragen und Ausharren. Ich stehe auf der Brücke und denke nach. Ja, Franziskus hat Jesus zugehört, als dieser auf dem Berg seinen Nachfolgern die Seligpreisungen lehrte. Und er hat es gelebt. Und er hat Jesus zugehört, als er seine Fröhliche Nachricht, seine Regierungserklärung proklamierte (Lk 4,18ff): Befreiung für die Armen, Gefangenen, Kranken, Besiegten. Denn das ist klar. Frieden mit Gott kann ich nicht alleine haben.

Den Frieden bekommen wir nur mit Gerechtigkeit. Und gerade in der aktuellen Zeit erleben wir plastisch und bis in unser persönliches Tageserleben hinein, dass wir den Frieden nicht für uns alleine haben können. Viele Menschen fliehen vor der Ungerechtigkeit und der Gewalt. Ja, Gottes großes Ziel ist Versöhnung, Wiedervereinigung, Frieden. Einheit.

Einheit. Einheit ist stark. Einheit gelingt viel. Als die junge Menschheit sich um ein Ziel versammelte, wuchsen sie über sich hinaus. So sehr hinaus, dass Gott eingreifen musste. Um Schlimmeres zu vermeiden.

Joos De Momper - La tour de Babel (by PaulineM)

Denn: überall da wo Menschen Dinge auftürmen, wächst die Ungerechtigkeit. Und auch wir haben aufgetürmt. Unser Wohlstand – hart erarbeitet – entstammt dem Individualismus und dem Wettbewerb. Und Wettbewerb bedeutet: Es gibt Sieger. Und Verlierer. Und genau das können wir beobachten. Am Rande unserer imposanten Wolkenkratzer strandet die Masse der Verlierer, diejenigen, auf die man verzichten konnte.

Wir sind die Guten. Klingt göttlich. Gemeint ist aber so oft: Wir sind die Besseren. Wir sind die Könner. Und folglich: Ihr seid die Verlierer. Menschliche Einheit grenzt aus. Wir gegen Euch. Das ist die Falle: „Gut sein“ bedeutet in unserer Gesellschaft nur allzu oft „besser sein als“, „erfolgreicher sein als“, „reicher sein als“, „mächtiger sein als“.

Der Vergleich ist das Leitmotiv unseres Lebens.

Und Gott? Gott ist gut. Und Gott sagt, dass er sich um die Verlierer kümmert. Er sagt, dass seine Kinder eine Einheit leben, die nicht ausgrenzt. Und deshalb geht er „nach unten“, verlässt seine Herrlichkeit. Verzichtet auf seine Macht. Lässt sich verhaften, verurteilen und hinrichten. Stirbt. Demaskiert.

Und wir? Wir sind die Guten. Wir wollen Gott helfen. Wir wollen uns um die Verlierer kümmern. Aus einer Position der Stärke. Mit Gott an unserer Seite: Wer kann uns widerstehen? Wir haben die Mittel dich aus dem Dreck zu ziehen. Dich zu uns nach oben zu ziehen. Wenn du nur mitmachst. Und Gott wird es lohnen.

Ja, wird er. Jesus sagt es (Mk. 10,30): Wer mit mir sein „oben“ verlässt, bekommt „hier unten“ hundertfach Gemeinschaften (Häuser), Schwestern, Brüder, Kinder, Mütter. Gemeinschaft halt. Familie.

→Beziehung ist das Leitmotiv Gottes.

Wie so anders ist die göttliche Logik als unsere. Sei schwach, wenn meine Kraft in dir wirken soll. Sei Diener, wenn du herrschen willst1. Liebe deine Feinde, wenn du sie besiegen willst2. Lass dein Leben los, wenn du es erhalten willst3. Und auch das hat Franziskus so kunstvoll in Worte gefasst:

→“Herr mache mich zu einem Werkzeug deines Friedens…“.

Und das will ich sein. Machst du mit?

S.




Gesungen, am Abend

AbendliedGesungen haben es schon die Alten. Und an manchen Weisheiten ändert sich nichts. Der Lebensweg des Menschen:

  • Klugheit, vermeintliche und wirkliche, die sich nur allzu leicht zum Maßstab der Wirklichkeit macht und oft übersieht, was man erst auf dem zweiten Blick erkennt.
  • Irrwege aus Stolz und Trotz, die anderen schaden. Meist auch einem selbst.
  • Und dann doch, oft spät, die Erkenntnis des Wesentlichen.

Seht ihr den Mond dort stehen?
Er ist nur halb zu sehen,
Und ist doch rund und schön!
So sind wohl manche Sachen,
Die wir getrost belachen,
Weil unsre Augen sie nicht sehn.

Wir stolze Menschenkinder
Sind eitel arme Sünder
Und wissen gar nicht viel;
Wir spinnen Luftgespinste
Und suchen viele Künste
Und kommen weiter von dem Ziel.

So legt euch denn, ihr Brüder,
In Gottes Namen nieder;
Kalt ist der Abendhauch.
Verschon uns, Gott! mit Strafen,
Und laß uns ruhig schlafen!
Und unsern kranken Nachbar auch!

Matthias Claudius *1740

Ein Leben setzt sich aus vielen Abenden und Tagen zusammen.

Ein gelungener Tag, ist ein Tag, an dem man versöhnt mit Gott, sich selbst und dem Nachbarn zur Ruhe kommt.

Vielleicht nicht die schlechteste Idee, am Ende des Tages dann ein (dieses) Abendlied anzustimmen, und sich daran zu erinnern. Eine Möglichkeit über das Misslungene zur Ruhe zu kommen und für das Gelungene Dankbarkeit auszudrücken.

Blessings,
S. (@ 1. Dez 2017)

P.S.:




Gelesen: Wie man wirklich Mensch wird

„Was ist WIRKLICH?“, fragte eines Tages der kleine Kuschelhase, …  „Bedeutet es, Dinge in sich zu haben, die summen, und die man aufziehen kann?“

„Wirklich ist nicht, woraus du gemacht bist … Es ist eine Sache, die dir einfach passiert. Wenn dich ein Kind eine lange, lange Zeit liebt, nicht nur mit dir spielen mag, sondern dich WIRKLICH liebt, dann wirst du wirklich.“

„Tut das weh?“, fragte der Hase.

„Manchmal“, sagte das Pferdchen, denn es war stets aufrichtig. „Wenn du erst wirklich bist, macht es dir nichts mehr aus, verletzt zu werden.“

 

Das Kinderbuch: „Der kleine Kuschelhase oder Wie die Dinge wirklich werden“ von Margery Williams aus dem Jahre 1922 ist schon seit langem vergriffen. Das hat es wirklich nicht verdient!

„Wie wird man wirklich?“ fragt der Stoffhase.

„Wie wird man wirklich Mensch?“ Die Antwort ist die gleiche…

Die englische Fassung kann man online lesen oder in verschiedenen Formaten „downloaden“ 

Hier ein kleiner Ausschnitt in Deutsch:

Das Holzpferd lebte länger in dem Kinderzimmer als irgendjemand sonst. Es war so alt, dass sein brauner Stoffüberzug ganz abgeschabt war und eine ganze Reihe Löcher zeigte. Die meisten seiner Schwanzhaare hatte man herausgezogen, um Perlen auf sie aufzuziehen. Es war weise geworden, denn es hatte eine lange Reihe von mechanischem Spielzeug gesehen. Sie kamen, prahlten, nach und nach brachen die Triebfedern und sie verschwanden. Und es wusste, dass sie nur Spielzeug waren und sich niemals in irgendetwas anderes verwandeln würden. ..

„Was ist WIRKLICH?“, fragte eines Tages der kleine Kuschelhase, als sie Seite an Seite in der Nähe des Laufställchens lagen, noch bevor das Mädchen hereingekommen war, um aufzuräumen. „Bedeutet es, Dinge in sich zu haben, die summen, und die man aufziehen kann?“

„Wirklich ist nicht, woraus du gemacht bist … Es ist eine Sache, die dir einfach passiert. Wenn dich ein Kind eine lange, lange Zeit liebt, nicht nur mit dir spielen mag, sondern dich WIRKLICH liebt, dann wirst du wirklich.“

„Tut das weh?“, fragte der Hase.

„Manchmal“, sagte das Pferdchen, denn es war stets aufrichtig. „Wenn du erst wirklich bist, macht es dir nichts mehr aus, verletzt zu werden.“

„Passiert das alles auf einmal, das mit den Verwundungen“, fragte der Kuschelhase, „oder Stück für Stück?“ „Es passiert nicht alles auf einmal“, sprach das Pferdchen.

„Es dauert eine lange Zeit. Das ist auch der Grund, warum es nicht sehr oft zerbrechlichen Personen widerfährt, oder welchen mit scharfen Kanten, oder solchen, mit denen man sehr behutsam umgehen muss. Normalerweise, wenn es so weit ist, dass du wirklich wurdest, sind dir die meisten deiner Haare bereits ausgeschmust worden, und deine Augen fallen dir aus und du wirst schon ganz wacklig in den Gelenken und sehr schäbig. Aber all diese Dinge sind unwichtig, denn wenn du erst einmal wirklich bist, kannst du nicht mehr hässlich wirken, außer auf Menschen, die keine Ahnung haben.“   

Da sagte der Kuschelhase: „Ich glaube, du bist wirklich!“ Und dann wünschte er, er hätte das nicht gesagt- das Holzpferd könnte empfindlich sein. Aber das Holzpferd lächelte nur…




Über…

… mich

Wer bin ich? Du willst den Menschen kennenlernen, der diese Seiten füllt? Oder suchst du nicht viel eher einen Verbündeten oder einen Gegner? Oder eine Bestätigung? Sicherheiten? Antworten?

… oder dich

Oder suchst du dich selbst: Wer bin ich? Bin ich richtig? Akzeptiert? Liebenswert? Brauchbar? Du willst dich kennen lernen. Und dafür brauchst du einen Spiegel. Eine Begegnung.

Ja und da bist du hier richtig.
Denn hier geht es um Dich.
Oder auch: Um das DU.
Also stellen wir uns einander vor.

„Mein Name ist Mensch.“

„Hallo Mensch!“

„Wir sind uns gar nicht so unähnlich.
Wir haben vieles gemeinsam.“

„Die Hebamme rief:
Ein neuer Erdenbürger!
Erst auf dem Amt
wurde ich ein Deutscher.“

„Lass uns an unserer
MENSCHlichkeit arbeiten.“

 

Worum geht es hier?

Ein Hinweis gibt →folgendes Gespräch. Oder ⇒dieser Text in der Bibel. Oder versuchen sie doch mal den Titel rückwärts zu lesen :-). Aber Achtung! Ein Organismus ist mehr, als eine perfekt arbeitsteilig funktionierende Maschine. In ⇒Wikipedia wird ⇒erläutert, dass der Terminus Organismus als Gegenüberstellung zum Begriff ,Mechanismus‘ eingeführt wurde.

Auch lesen wir da, dass man bei Organismen Zweck und Mittel nicht mehr trennen kann. Die Bestandteile eines Organismus stehen in einer besonderen Beziehung zueinander. Martin Buber: „Der Mensch wird am DU zum ICH“. Ein zweites Element ist die Beziehung zu einem Gemeinsamen. Und wieder gilt, dass diese beiden Elemente nicht zu trennen sind. Jesus Christus ⇒äußerte sich deshalb so.

Hier soll es also um die grundlegende Bedeutung von Beziehungen gehen. Grundlegend für das Leben. Zumindest, wenn es um Leben geht, dass „komplex und lebensfähig“, „frei und erfolgreich“, „verletzlich und stark“ sein soll oder muß.

… und den ganzen Rest

Soweit der Überblick.
⇒Begleite mich auf dieser Entdeckungsreise …

S.

P.S.: ⇒Allumfassende Brüderlichkeit