„42“ Oder: Vom Ich zum Du und wieder zurück

Ein kleines Reisetagebuch mit Randnotizen durch ein Labyrinth von Büchern, Filmen, Gedanken, Musik und dem ganzen Rest.

1 – „Das Ich steht sich selbst im Wege…“.

Ich sitze in meiner „Einsiedelei“ im Gethsemanekloster und lese diesen Satz. Ich denke: „Ja, das kann ich bestätigen. Und das ist auch ein Grund, warum ich hier bin.“  Denn: Wie soll man sich selbst aus dem Weg räumen, in einer Welt, in der man sich gezwungen sieht, fast ununterbrochen Angriffe auf das eigene Ich abzuwehren. Denn klar ist ja auch: Mein Ich mag mir im Wege stehen. Aber ohne mein Ich bin ich nicht. Und wenn da nur die Angriffe von außen wären. Noch viel ungeschützter bin ich den eigenen Überheblichkeiten und Selbstzweifeln ausgeliefert. Deshalb sind ein geschützter Raum der Stille und eine Zeit der Beschaulichkeit schon sehr hilfreich. (Wobei „Beschaulichkeit“ in diesem Kloster auch sehr real in jedem Raum erlebbar ist.) Aber ich möchte weiter gehen. Vorbei and der Auseinandersetzung mit dem Ich-Bewusstsein, dem Segen und Fluch der Rationalität, der Gegensätzlichkeit und der Personalität. Hin zu… Weiß ich es?

Einsam bin ich ein Stück gegangen. Und das bin ich satt. Alleine ist man zu schwach und eine doppelte Schnur hält besser. Deshalb ist es an der Zeit. Dich zu bitten. Sollen wir nicht ein Stück gemeinsam gehen? Wo wir uns doch gerade begegnet sind.

2 – Auf dem Weg

Ich bin auf dem Weg. Auf welchem Weg bin ich denn? Bevor Christen „Christen“ genannt wurden, nannte man sie wohl so: „Die auf dem Weg sind“. Die naheliegende Antwort ist natürlich: Ich folge Jesus von Nazareth. Ich gehe seinen Weg. Es ist der Weg zu Vater.
Du bist auf dem Weg. Ich seh das so: Alle Menschen suchen diesen Weg. Bewusst oder unbewusst. Ob Christen oder nicht. Zurück zum Paradies, welches uns – irgendwie – verloren ging. Der Blick zurück in die Vergangenheit verliert sich schnell. Und die Geschichte wird überwiegend von den Siegern geschrieben. (Von den Kurzfristigen! Kriege-Siege sind meist nicht nachhaltig.)
Auf jeden Fall sind wir außerhalb des Paradieses geboren. Das ist nur allzu deutlich wahrnehmbar. Dem kannst du doch zustimmen, oder? Und egal wie du es nennst – Paradies, Glück, Freiheit, Selbstverwirklichung, … . Auf einem Weg in diese grobe Richtung – Richtung Sonnenaufgang, raus aus der Nacht – bist du doch auch. (Oder warst es zumindest, bis … . Doch lass uns diesen Abzweig zunächst nicht nehmen.)
Der Blick nach vorne ist auch nicht besser. Ist doppelt schwierig: Die einsehbare Strecke ist noch kürzer und beinhaltet nicht einmal die Sicherheit, dass er begehbar ist. Keine Fußspuren. Unberührte Schneelandschaft.

3 – Das tun wir alle

„Ich will dir nichts Schlechtes, Conny. Ich weiß, dass du dein Bestes versucht hast.“ sagt Gabriella zu ihrem gescheiterten Mann im Gefängnis. Und in diesem Moment erkennt sie: „Schon komisch. Das tun wir ja alle.“ Diese Szene aus dem Film Wie im Himmel bringt es auf den Punkt. Wir alle versuchen zu gelingen; möchten auf dem Weg gut vorankommen. Gabriellas Lied ist das Lied des Menschen. Mein Lied. Dein Lied:

„Ich will fühlen, dass ich lebe. Mir bleibt noch etwas Zeit. Ich will mein Leben leben und spüren. Ich will wissen, dass ich etwas tauge. Ich will doch nur glücklich sein. Sein dürfen, der ich bin. Stark und frei. Sehen wie der Morgen kommt.“1

Und in der Hinwendung zum Gescheiterten, zum verletzten Verletzer, gedeiht die Erkenntnis, dass wir alle eigentlich „leben“ wollen und wir alle ziemlich verletzlich sind.

4 – Ziemlich verletzlich

<ff>.

5 – Ziemlich stark

<ff>.

6 – Wo bist du?

Diese Frage klingt in uns…

6 – Denn sie wissen nicht, was sie tun

 

Fortsetzung folgt…

S.

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