Es gibt eine Kategorie von Büchern, in der ich immer wieder besonders wertvolle Exemplare finde. Die Kategorie heißt: „(Vielleicht) letzte Bücher von lebenserfahrenen weisen Menschen“. Hierzu zählen Bücher wie Paul Tournier: „Im Angesicht des Leidens“ oder Theodor Bovet: „Mensch sein“.

Seit kurzem gesellt sich ein neues Buch dazu: „Alles aus Gnade“. Dies ist die Lebensgeschichte Alles-aus-Gnadeeines „vom Leben Gezeichneten“, wie es die Übersetzerin (oder der Verlag?) deutsch-brav ausdrückt. Brennan Manning selbst ist da deutlich drastischer: Es ist die Autobiografie eines „Ragamuffin“, eines Taugenichts, eines Lumpenkerls. Ein letztes Mal will er, der Versager, „angekettet zwischen zwei Säulen“ versuchen, unser „Haus der Angst zum Einsturz bringen“. Es sind, wie er selbst schreibt, seine letzten Worte zu seinem großen Thema: Gnade. Und ich muss das hören. Gnadenlos ist Brennan Manning nur mit einem: mit der Schönfärberei. Oder nennen wir es beim Namen: Mit der Lüge, dem Selbstbetrug. In einer Welt der glitzernden Feigenblätter und intelligenten Schuldzuweisungen (hm – seit dem Paradies hat sich nicht wirklich viel geändert) ist seine ungeschminkte Offenheit fast schon Skandal. Für manche: „billige Gnade“. Ich glaube eher, dass aus dieser Einschätzung unser Stolz und unsere Scham sprechen. Darf mir die Botschaft Jesu heute noch ein Skandal sein? Sie war es immer. Darf Gnade heute noch ungerecht sein? Wie könnte sie anders?

Woran erkennt man denn ein Herz, das vertraut? fragt Brennan Manning. Und seine Antwort ist: „Einem Herz, das vertraut, wurde vergeben, und es vergibt deshalb anderen“.

Die Botschaft, die Brennan Manning so eindrücklich lebt, und die er in dieser seiner Biografie so authentisch zusammenfasst, ist wahre Christus-Ähnlichkeit: Radikale Gnade aus radikaler Ehrlichkeit wegen der radikalen Liebe Gottes. Und das braucht die Welt. Heute mehr denn je. Das brauche ich in meinem täglichen Umgang mit dem Ich und dem Du.
„Kannst du es zulassen, dass Gott dich so liebt wie du bist?“ Brennan Manning antwortet so: „Nein, aber ich versuche es.“
Ja, dem Buch merkt man an manchen Stellen an, dass hier ein vom Alkohol gezeichneter, alternder Mann spricht. Aber wie sollte es anders sein? „Was seid ihr hinausgegangen zu sehen?“ Möchtest du mehr Selbstbetrug? Dann lass die Finger von diesem Buch.

S.

P.S.: Hier meine zwei Lieblings-Videos (engl.) mit Brennan Manning auf youtube:

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